Familien im Kanton gezielt fördern
Ueli Känzig
Familienfragen werden im bernischen Grossen Rat in fast jeder Session diskutiert. Immer wieder werden Vorstösse, welche die Familien betreffen, lanciert. Koordiniert laufe dies aber nicht ab, sagt die Lysser Grossrätin Christine Schnegg-Affolter (EVP). Sie hat deshalb eine Motion eingereicht, die vom Regierungsrat verlangt, ein umfassendes Konzept zur kantonalen Familienförderung zu erarbeiten. Dieses müsse im Grossen Rat diskutiert und von diesem verabschiedet werden.
Positive Reaktion
Die Chancen, dass die Motion in der März-Session vom Parlament angenommen wird, stehen gut. Denn der Regierungsrat lässt keinen Zweifel daran, dass er den Vorstoss unterstützt. Er will seinen Bericht zur Familienförderung dem Grossen Rat aber nur zur Kenntnisnahme unterbreiten. Christine Schnegg-Affolter interessiert in erster Linie, was der Regierungsrat in sein Konzept packen wird. Das werde gegebenenfalls zu Diskussionen führen. Federführend bei der Erarbeitung des Konzeptes wird die Gesundheits- und Fürsorgedirektion von Philippe Perrenoud (SP) sein.
Schnegg-Affolter findet positiv, dass die Regierung eine Bündelung der Ideen und Ziele will, wie sie in der Antwort auf die Motion schreibt. Nur so könnten die kantonalen Ressourcen gezielt für familienpolitische Themen eingesetzt werden.
Weniger Paare mit Kindern
Christine Schnegg-Affolter ist zudem Mitautorin einer zweiten Motion zum Thema Familienpolitik. Diese will der Regierungsrat aber nur als Postulat annehmen, wodurch sie bedeutend weniger bindend wäre. Darin fordert sie mit Parteikollegin Marianne Streiff-Feller (Oberwangen) eine direktionsübergreifende Familienkonferenz. Grundsätzlich befürworte er eine solche Konferenz, sie müsse aber sorgfältig überprüft werden, schreibt der Regierungsrat in seiner Antwort.
In anderen Kantonen gab es bereits ähnliche Vorstösse zur Familienförderung. Ein wichtiger Grund dürfte sein, dass das monatliche Bruttoeinkommen der Schweizer Haushalte in den letzten Jahren gesunken ist, wie die Einkommens- und Verbrauchserhebung des Bundesamtes für Statistik (BFS) aus dem Jahr 2004 zeigt. Markant war vor allem der Anstieg der fixen Kosten wie Sozialversicherungsbeiträge oder Steuern. Diese beliefen sich 2004 auf 26,4 Prozent des Bruttoeinkommens. Tendenz steigend.
Grundsätzlich sei es für die Berner Regierung wichtig, dass Familie und Beruf einfacher unter einen Hut zu bringen seien. Dies sei aus sozial- und wirtschaftspolitischen Gründen wichtig, schreibt sie in ihrer Antwort auf die Motionen. Denn Kinder stellen gemäss einer Studie von Caritas Schweiz ein erhöhtes Armutsrisiko dar. Immer mehr finanziell schlecht situierte Paare verzichten deshalb auf Kinder. Paare, die finanziell gut dastehen, verzichten eher auf Nachwuchs, da sie Mühe haben, die Kinderbetreuung und berufliche Ambitionen solide zu vereinbaren. Dies zeigt sich deutlich in der Familienentwicklung in der Schweiz. Zwischen 1980 und dem Jahr 2000 ist die durchschnittliche Fami-liengrösse von 2,51 auf 2,24 Personen gesunken.
Das Thema sei sehr aktuell, sagt Christine Schnegg-Affolter. Es sei gut zu sehen, dass auch der Regierungsrat der Meinung sei, dass Handlungsbedarf bestehe.
Bieler Tagblatt, 28.2.2007
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Motion_178_2006.pdf [18.6 K]




